Salontanzgesellschaft Kassel


 Die Salontanzgesellschaft Kassel widmet sich in Praxis und Theorie der Rekonstruktion bürgerlicher Balltänze des 19. Jahrhunderts, d.h. wir tanzen Walzer, Polka, Mazurka und Quadrillen. Geübt wird während unregelmäßig stattfindenden Salontanzabenden und regelmässig gefeiert auf rauschenden Bällen. Der Wiener Kongress, der auch der tanzende Kongress genannt wurde, war der Beginn eines Jahrhunderts großartiger Balltradition. 

 


Die Tänze

Gern möchte ich hier den Tanzmeister Bernhard Klemm zitieren, der nicht nur die Tänze beschrieben hat, sondern auch deren Charakter treffend erfasst hat.

Walzer - unbefangene Fröhlichkeit und naiv-gemütliche Hingebung
La Valse a deux temps - Zuversichtliches Sichgenügen in sieghafter Freude über Forciertes, verbunden mit der Einbildung, etwas ganz Apartes zu vollbringen
Polka - frohspielend kindliches Entzücken und behagliche Wonne
Galopp - Stürmende Freude, fast bis zur Ausgelassenheit, Hast und Beharrlichkeit in lebendiger Bewegung
Mazurka - Ein Gemisch von edlem Stolz und rauferischer Kühnheit, verbunden mit anmutsvoller Hingebung und Begeisterung
Polka-Mazurka - Entschiedenes Sichgenügen, anmutige Keckheit, verbunden mit schelmischer Caprice
Quadrille Francaise - Gegenseitige Zuvorkommenheit, artiges, glattes Wesen, ein lebendes Bild guter Gesellschaft und ihrer konventionellen Formen
Rheinländer (Schottisch) - Schalkhafte Naivität und weinselige Stimmung 
Polonaise - etwas Pathetisch-Feierliches, verbunden mit ritterlicher und feiner Galanterie

(nach Bernhard Klemm, Katechismus der Tanzkunst, Leipzig 1901)

Cassel

Wurde in Cassel früher getanzt, und wenn ja, wo und was? Exemplarisch wollen wir uns auf zwei Quellen beziehen, das Ballhaus in Wilhelmshöhe und das Casseler Tanzalbum. 

Das Ballhaus neben dem Schloss Wilhelmshöhe, lässt vom Namen her, eine grosse Balltradition vermuten. Errichtet wurde es allerdings zuerst als Theater (1809-1810) während der fürsorglichen Regentschaft eines Jerome Bonaparte. In der Biedermeierzeit (1828-1830) wurde es zum Ballhaus umgebaut, unter Beibehaltung des klassizistischen Stils. Leider ist bis jetzt nicht bekannt, wie es tänzerisch unter den verbliebenen hessischen Kurfürsten und während der preussischen Annexion genutzt wurde. Vom letzten deutschen Kaiser ist überliefert, dass er dort Tennis spielte, auch eine Art von Ball. 

Das Casseler Tanzalbum ist eine Sammlung humoristischer Lieder mit Bezug zu Kassel, entstanden ca. Ende des 19. Jahrhunderts. Es wird eine Mazurka im Westend getanzt, eine Polka im Mulang gehüpft und eine Polonaise auf dem Friedrichsplatze geschritten, ergänzt durch Rheinländer-Polka, Schottisch und Galopp. Gekrönt wird das Album mit einem Walzer "An der Fulda grünen Strande". Unsere Salontanzabende bieten die Möglichkeit, diese Tänze zu erlernen. 

Die Veranstaltungen



Die Salontanzgesellschaft Kassel existiert mit kleinen Unterbrechungen seit 2015. In der nun über zehnjährigen Geschichte wurden folgende Veranstaltungen durchgeführt, besucht oder unterstützt:

2017 Ball in Berlin und Potsdam mit der Società di Danza (Italien)
2017/2018 Workshop mit Sylvia Hartung "Das Casseler Tanzalbum" mit creanc und der LAG Tanz Hessen, Kassel
2018 Choreographische Unterstützung der historischen Ballszenen für die Aufführung Aschenputtel der Ballettschule Baunatal
2019 Ball auf Schloss Altenburg mit dem Tanzstudio Trianon (Moskau)
 2025 cross-step Waltz und historischer Tanzworkshop mit Richard Powers in Kassel
2015-2026 - regelmässige Salontanzabende in Kassel (fortlaufend)

Die Quellen

Balltänze des 19. Jahrhunderts werden an Hand von Tanzbeschreibungen rekonstruiert. Interessanterweise kannte auch schon diese Zeit eine Standardisierung und Internationalisierung, diverse Tänze tauchen gleichzeitig in Europa, England, Russland oder Nordamerika auf. Und es gab ebenfalls regelmässig neue Modetänze, zum Beispiel eroberte die Polka ab 1840 die Ballsäle, was zu einer sogenannten Polkamania auswuchs. Eine umfassende Sammlung von historischen Tanzbeschreibungen kann man auf der Website von Richard Powers finden (zum Download). 

Cross Step Waltz

Was ist Cross Step Waltz? „… ist der neueste von Partnertänzen, der sich rasch verbreitet weil er einfach zu lernen, unendlich innovativ und sowohl die Ansprüche der Anfänger als auch die erfahrensten Tänzer befriedigt." so Richard Powers. Cross Step Waltz rotiert und wandert über die Tanzfläche wie ein traditioneller Walzer, aber als Zugabe öffnet er ein weites Gebiet für spielerische und ineinander-fließende Variationen.
Der Basis Schritt des Cross Step Walz ist einfach zu lernen. Weder Langsamer, noch Wiener Walzer kombinieren diese Einfachheit mit schnellen Lernerfolg. Am Ende der ersten Stunde kann jeder erfolgreich drehen und walzierend das Tanzparkett erobern. Danach ist der Cross Step Walzer unendlich kreativ, d.h. er bleibt spannend auch für geübte Tänzer. (Richard Powers: Waltzing – A Manual for Dancing and Living) 

Salontanzabende fast jeden Dienstag, um vorherige Anmeldung wird gebeten.